Die Welt der Kommunikationsmodelle – ein Überblick

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Die Welt der Kommunikationsmodelle – ein Überblick

Die Kommunikation ist ein wichtiger Aspekt im täglichen Umgang miteinander, sowohl im Privaten wie im Beruflichen. Verschiedene Kommunikationsmodelle bieten dafür wertvolle Tipps und Tricks, um die Kommunikation erfolgreich zu gestalten. Im Folgenden sollen drei Beispiele für bewährte Kommunikationsmodelle vorgestellt werden. Doch warum werden diese Modelle überhaupt benötigt?

Allgemeines zur Kommunikation

Unklare Absprachen, Missverständnisse und Auseinandersetzungen sind meist in fehlender Kommunikation begründet. Das betrifft Freunde und Familienmitglieder ebenso wie Arbeitskollegen oder Vorgesetzte. Im Geschäftsbereich spielt im Umgang mit Kunden oder Geschäftspartnern eine konstruktive, höfliche Kommunikation eine wesentliche Rolle für den Erfolg.

Im privaten Bereich kommt es häufig vor, dass sich jemand dem Gegenüber in einer kommunikativen Situation unterlegen fühlt. Kommunikationsmodelle erleichtern den Umgang mit den Mitmenschen, ob zu Hause oder im Unternehmen. Es gibt erfolgreiche Strategien für die Kommunikation, die gut zu erlernen sind. So lassen sich Kommunikationsabläufe wahrnehmen und einschätzen. Kommunikation bedeutet im Grunde nichts anderes, als den gegenseitigen Austausch von Informationen und Gedanken in Form von Sprache, Worten oder Bildern. In der Kommunikationstheorie gibt es dazu verschiedene Modelle.

 

 

Das Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick

Paul Watzlawick (1921 bis 2007) war ein österreichisch-amerikanischer Kommunikationswissenschaftler, Philosoph, Psychotherapeut, Soziologe und Autor, der die Familientherapie und allgemeine Psychotherapie durch seine Arbeiten zur Kommunikationstheorie maßgeblich beeinflusst hat. In seinem Modell hat Paul Watzlawick mehrere Axiome festgelegt:

  • Der erste Grundsatz: Man kann nicht nicht kommunizieren. Das heißt, bereits vor dem Gespräch gewinnt das Gegenüber einen Eindruck durch die Stimme, die Mimik und die Gesten. Daher ist es wesentlich, sich der Körpersprache und den nonverbalen Signalen bewusst zu sein.
  • Der zweite Grundsatz: Kommunikation hat immer eine Inhaltsebene und Beziehungsebene. Dabei umfasst die Inhaltsebene den sachlichen Inhalt der Kommunikation. Bei der Beziehungsebene handelt es sich um die Beziehung zwischen Sender und Empfänger.
  • Der dritte Grundsatz: Es gibt zwei verschiedene Ebenen zwischen Gesprächspartnern.

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Die symmetrische Ebene betrifft Geschäftspartner, Kollegen, Freunde und Lebenspartner, die komplementäre Ebene betrifft Auftraggeber, Kunden, Vorgesetzte und Angestellte.

In der Zusammenfassung bedeutet das Kommunikationsmodell, dass bei Störungen in der Kommunikation mit dem Modell der Kommunikationskonflikt analysiert werden kann und mit Hilfe der Thesen zwei und drei der Konflikt genau bekannt und eingeordnet werden kann.

Das Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun

Friedemann Schulz von Thun, geboren 1944, ist ein deutscher Psychologe und Kommunikationswissenschaftler. Er lehrte an der Hamburger Universität und beschäftige sich unter anderem mit der Individualpsychologie nach Alfred Adler. Sein Modell weist dabei einige Ähnlichkeiten mit den Thesen von Paul Watzlawick auf, Schulz von Thun ergänzt das Modell jedoch um die beiden Bereiche Appellebene und Sachoffenbarung. Das ermöglicht noch eine differenziertere Analyse des Kommunikationsprozesses.

Schulz von Thun nutzt die Form des Quadrats bzw. vier Seiten für sein Modell:

  • Sachinhalt (Was sagt der Sprecher?)
  • Appell (Was will der Sprecher bewirken?)
  • Beziehung (Wie steht der Sprecher zum Empfänger?)
  • Sachoffenbarung (Was teilt der Sender über sich mit?)

Diese vier Ebenen verdeutlichen den Kommunikationsprozess. Darüber hinaus arbeitet Schulz von Thun mit dem 4-Ohren-Prinzip. Dieses Prinzip beschreibt die Tatsache, dass der Sprecher oder Sender in jedem Fall auf einer der vier Ebenen kommuniziert, der Empfänger diese Botschaft ebenfalls auf mindestens einer dieser Ebenen erhält und die Information hört, versteht und interpretiert. Die Ebenen können auch durch vier Ohren ersetzt werden, also das Sach-Ohr, das Appell-Ohr, das Beziehungs-Ohr oder das Sachoffenbarungs-Ohr.

Ein Beispiel verdeutlicht das Modell.

Der Ehemann sagt: Kannst du den Staubsauger nach der Wochenreinigung nicht wegräumen. Es handelt sich um den Sachinhalt, der Staubsauger stört und steht im Weg. Die Ehefrau kann auf der Appellebene verstehen: Räum den Staubsauger weg. Auf der Sachebene kann sie verstehen: Der Staubsauger steht im Weg.

Zusammenfassend bedeutet dies, dass das Modell die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten zwischen Interaktion oder Kommunikation zwischen Sprecher bzw. Sender und Empfänger deutlich macht. Zum anderen macht das Kommunikationsmodell deutlich, wie komplex die Kommunikation ist. Daher kann es zu Konflikten und Störungen kommen, wenn Sender und  Empfänger nicht auf der gleichen Ebene agieren. Im Beispiel des Staubsaugers heißt das, im ersten Fall könnte das Paar in Streit geraten, im zweiten Fall vermutlich nicht. Kommt es zum Konflikt, ermöglicht das Modell die Analyse und Überprüfung der Probleme auf beiden Seiten. Es ist möglich zu prüfen, welche Ebene der Empfänger nutzt und welche der Sprecher bzw. Sender. So lässt sich leicht feststellen, warum es zum Missverständnis oder zum Konflikt kam.

Weitere Modelle zur zwischenmenschlichen Kommunikation sind

  • das Eisbergmodell,
  • die Kommunikationsformen nach Satir,
  • die Autokommunikation

sowie die

  • Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick.

Außerdem gibt es folgende deskriptive Modelle:

  • Feldschema der Massenkommunikation (Gerhard Maletzke)
  • Kommunikationsmodell von Matilda und John Riley
  • Kommunikationsmodell von Bruce Westley und Malcolm MacLean
  • Materialistisches Kommunikationsmodell von Wulf Hund

Funktionsmodelle der Kommunikationstheorie sind

  • das Organon-Modell von Karl Bühler,
  • das Sechsgliedrige Modell von Roman Jakobson

und das

  • Vier-Seiten-Modell (Vier-Ohren-Modell) von Friedemann Schulz von Thun.

Fazit

Wie läuft Kommunikation ab? Warum entstehen Konflikte? Wie lassen sie sich wieder lösen? Kann man Kommunikationsmodelle lernen und im Alltag anwenden? Die beiden Kommunikationsmodelle von Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun verdeutlichen die verschiedenen Ebenen, auf denen Kommunikation abläuft, und welche Analysemöglichkeiten es dabei gibt. So lassen sich Konflikte vermeiden und die Kommunikation mit Lebenspartnern, Freunden, Familienmitgliedern, Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern konstruktiv und erfolgreich gestalten.

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